Der Krise entgegen: 5 Tipps von Kurt Ratschiller

In: Südtirol|Tourismus Trends|Tourismus in Südtirol

26 Aug 2009

kurt ratschillerNach Maxmilian Alber ist nun Kurt Ratschiller (Marktmanager für West- & Zentraleuropa in der SMG) der Zweite in der Runde, der mir im Rahmen eines kurzen Interviews Rede und Antwort gestanden hat und euch damit ein paar richtig gute Tipps für den Weg aus der Kriese geben kann. Worum gehts? Klar: die neuen Märkte, da liegt Potential! Besonders auch für die kommende Wintersaison!

Die Interviewfragen im Überblick:

  1. Die Rolle der neuen Märkte in Zeiten der Krise? Lohnt sich eine Investition oder geht es denen selber schlecht?
  2. Die Möglichkeiten auf diesen Märkten aktiv zu werden? Welche Vertriebskanäle laufen wo am besten?
  3. Die 3 wichtigsten Erfolgsfaktoren?
  4. Welche Märkte kannst du für die kommende Wintersaison empfehlen?
  5. Dein ganz persönlicher Tip!

1. Die Rolle der neuen Märkte in Zeiten der Krise?
Lohnt sich eine Investition oder geht es denen selber schlecht?

Der Blick auf die neuen Märkte lohnt gerade in Krisenzeiten bzw. kann solche abfedern. Eine Abhängigkeit von nahezu 50% von einem einzigen touristischen Quellmarkt war bereits vor der Wirtschaftskrise für Südtirol problematisch. Es ist selbsterklärend, was passieren würde, wenn dieser eine Markt plötzlich stark einbricht.

Kurt Ratschiller bei XING

Kurt Ratschiller bei XING

Eine nicht schön zu redende Tatsache ist, dass die Wirtschaftskrise die globale Wirtschaft erfasst hat aber eben nicht alle Volkswirtschaften in gleichem Maße: die zentraleuropäischen Märkte profitieren immer noch von niedriger Staatsverschuldung, großem Fremdinvestitionsvolumen, konservativem Finanzsystem, guten Wechselkursen und steigenden Haushaltsnetto-Einkommen was einen Südtirol-Urlaub in diesen Märkten für die Zielgruppe immer leistbarer macht. Die Zuwächse aus diesen Märkten werden sicher schwächer ausfallen als in den letzten Jahren … aber immerhin: es werden Zuwächse sein.

Die Märkte Benelux und Großbritannien müssen sicher etwas kritischer beobachtet werden: die Finanzkrise hat v.a. Großbritannien hart getroffen. Südtirol kann die Krise nicht wegwerben aber konsequent auf seinem Weg der Marktbearbeitung bleiben, der ohnehin keine kurz- sondern eine mittel- bis langfristige Investition bleibt. Und dann wird es auch den westeuropäischen Quellmärkten wieder besser gehen.

2. Die Möglichkeiten auf diesen Märkten aktiv zu werden? Welche Vertriebskanäle laufen wo am besten?

Sich als Südtiroler Hotelier oder Tourismusverband bzw. –verein alleine auf diese Märkte vor zu wagen ist in etwa wie mit einem Ruderboot den Ozean zu durchqueren: die Möglichkeit des Erfolgs ist sicher gegeben, jene in der großen Masse unter zu gehen und zu scheitern aber wesentlich größer.

Südtirol selbst ist auf den neuen Märkten noch für viele eine große Unbekannte. Kräfte müssen also gebündelt werden um schneller, sicherer und besser ans Ziel zu kommen und dieses Ziel heißt: nicht so viele als möglich sondern die richtigen Leute nach Südtirol zu bekommen.

Stichwort „Kräfte bündeln“: weil viele Tourismus-Dienstleister aus Südtirol Interesse an den neuen Märkten haben, bietet die Südtirol Marketing Gesellschaft (SMG) Partnerschaften an. Hotels und Tourismusverbände können zusammen mit der SMG auf den neuen Märkten aktiv werden zu einem mehr als fairen Preis. Info hierzu gibts bei eurem Tourismusverband. Dort werden die Kooperationsanfragen gesammelt.

Auf die Frage, welche Vertriebskanäle wo am besten laufen, kann man nur antworten, dass der Erfolg – marktunabhängig – in der Vielfalt und in der Vertriebsplanung liegt. Sich auf einzelne Vertriebskanäle zu verlassen ist genauso falsch wie auf einzelne Märkte zu setzen. Stammkunden sind nicht nur in unseren Hotels eine aussterbende Spezies, auch bei den Vertriebspartnern: heute bucht der Kunde direkt im Hotel, morgen über den Reiseveranstalter und übermorgen über ein Hotelportal.

Je volatiler und unberechenbarer das Verhalten des Kunden wird, umso konkreter muss die Vertriebsplanung ausschauen und darf nicht dem Zufall überlassen werden. Last but not least: unsere Hoteliers müssen lernen, dass ein guter Vertriebskanal auch kosten darf und nicht gratis sein muss.

3. Die 3 wichtigsten Erfolgsfaktoren?

In folgender Reihenfolge:

1. auf neue Gäste einstellen: Gäste aus den neuen Märkten sind anders, haben andere Bedürfnisse, brauchen deshalb andere Angebote, Informationen und … am besten beides in deren Sprache

2. Paketerstellung: das Hotelzimmer alleine ist zu wenig. Potentielle Kunden werden durch Mehrwert in interessanten Angeboten geködert. Wann haben wir zum letzten Mal beim Autokauf nach einer Karosserie mit Motor und 4 Reifen gefragt?

3. Vertrieb: die beste Information und das beste Paket nützen nichts, wenn nur der Hotelier, die Rezeption und der Tourismusverein Bescheid wissen. Vertriebsplanung ist das um und auf. Für den Hotelier sogar noch wichtiger als die Marketingplanung.

4. Welche Märkte kannst du für die kommende Wintersaison empfehlen?

Tschechien und Polen

5. Dein ganz persönlicher Tip!

Wer sich auf die neuen Märkte einlassen will, soll sich intensiv mit den Märkten auseinandersetzen und die Quellmärkte selbst bereisen. Nur so bekommt man ein Gefühl für den Markt. Unterhaltsam und hilfreich sind die Länderportraits aus dem CH Links-Verlag http://www.linksverlag.de/index.cfm?inhalt=gesamtprogramm&nav_id=1&titel_id=508&kat_id=165

Vielen Dank auch auf diesem Weg nochmals an Kurt Ratschiller für das Interview. Falls es Fragen geben sollte: einfach unten rein! Kurt wird euch persönlich antworten…

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3 Kommentare bei Der Krise entgegen: 5 Tipps von Kurt Ratschiller

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Benno

August 27th, 2009 at 08:40

Sehr Interessant. Leider gibt es Gebiete in Südtirol die die Vertriebswege sehr stark auf Kosten – Nutzen begutachten. Ist auch richtig so doch verwenden Sie nach meiner Ansicht auch falsche Parameter. Man kann nicht Äpfel mit Birnen vergleichen.
@Kurt: Wie sehen die Vertriebskanäle für Polen und Tschechien aus ?
macht da die SMG auch Spot-Werbung auf den gewissen Sendern zu “schlechten” Einschaltzeiten?

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Thomas Aichner

August 27th, 2009 at 08:50

Kurt bringt die Situation auf den Punkt: Attribute wie Kontinuität, Sicherheit und Wiederholungstäter werden zunehmend von Multioptionalität, Wechselhaftigkeit und Kurzfristikgeit verdrängt. Darauf stellen wir uns besser gemeinsam ein, weil dafür viel Kompetenz, gebündelte Budgets und auch Mut gefragt ist.

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Kurt Ratschiller

August 27th, 2009 at 09:40

Hallo Benno! Danke für deinen Zuspruch. Die Vertriebskanälte für Polen und Tschechien sehen im Unterschied zu den Hauptmärkten komplett anders aus: Direkter Vertrieb kommt für die meisten Hotels schon allein wegen der geringen Markt- und Medienkenntnis aber auch wegen der sprachlichen Probleme kaum in Frage. Hab von Hoteliers schon gehört, dass sie deren polnischen oder tschechischen Kellner als Texter engagieren könnten. Bitte Finger weg davon!
Stattdessen setzt man in diesen Märkten besser auf indirekten Vertrieb z.B. Reiseveranstalter oder in Tschechien auch auf Reisebüros. Eine Übersicht gibt’s für Tschechien auf http://www.suedtirol.info/Pruvodce_po_Jiznim_Tyrolsku/Jak_se_tam_dostat/Cestovni_kancelare.html bzw. für Polen auf http://www.suedtirol.info/Przewodnik_po_Poudniowym_Tyrolu/Jak_dojechac/Biura_podrozy.html
Wer auch an direkten Vertriebskanälen interessiert ist, meldet sich wie bereits im Artikel genannt beim Tourismusverband und löst das Problem mit uns: nachdem Polen und Tschechen sehr belesen sind und weit weniger Internet-Affin als beispielsweise Briten, setzen wir stark auf Print (Advertorials und Südtirol-Magazine) aber natürlich auch auf’s Web, konkret Google Adwords; für Tschechien auch auf seznam.cz immer noch Suchmaschinen-Marktführer. Beide – Advertorials und Adwords – linken zu den professionell übersetzten Hotelpaketen der Partner auf http://www.suedtirol.info/pakiety und http://www.suedtirol.info/balicky (momentan noch leer, weil die Kampagne erst nächste Woche startet).

Zur Spot-Frage: so weit sind wir in den neuen Märkten noch nicht, um dem Branding dienende klassische Anzeigen und auch TV-Spots zu schalten. Wir sind immer noch im Image-Aufbau, müssen der Zielgruppe immer noch erklären wer, was, wo wir sind und was uns auszeichnet. Das alles rüber zu bringen, schafft kein Spot. Andere Maßnahmen sind dafür geeigneter.
Um zu den schlechten Einschaltzeiten noch Stellung zu nehmen: in den Hauptmärkten werden eigentlich nur gute Sendeumfelder gebucht, von denen man weiß, dass die Zielgruppe vor zu finden ist. Aber: nachdem natürlich jeder Kunde nur die besten Umfelder mit möglichst wenig Streuverlust buchen möchte, müssen die TV-Vermarkter natürlich mit Verteilungsschlüsseln arbeiten, d.h. es müssen als Kompromiss auch einige weniger gute Umfelder mit gekauft werden.

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Wolfgang Toechterle's Facebook Profile

Wolfgang arbeitete nach seinem Diplomstudium mit Schwerpunkt "Tourismus & Servicemanagement" als Unternehmens- berater im Tourismus. Weitere Erfahrungen im Bereich Event- und Directmarketing in Kanada führten Ihn ins Destinationsmana- gement bei Südtirol Marketing (SMG).

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